Doku

Field Scripts von Christof Berthold.

in singida sokoni

In der Stadt gibt es viele Schneiderinnen, die alles machen aber auch viele Mitumba-Stände, eben sogar hier in einer der ärmeren Regionen Tanzanias. Also irgendwie lokale Wirtschaft aufbauen ist das nicht, Wirtschaft schon, und zwar so was wie „freies Unternehmertum“, ein kapitalistischer Weg, der „Wohlstand für die Gesellschaft“ verheißt?
Wie beeinflusst dies traditionelle Strukturen der sozialen Sicherheit, die sich, wie auch die Anzahl der Kinder pro Familie eh schon verändern?
Und wie soll das beschrieben werden, ohne in Sozialromantik zu verfallen? (also nicht „der böse Kapitalismus und die armen, edlen Wilden mit ihren Familien.“)
Wie wird der Prozess (exemplarisch am Beispiel Altkleider) des Hereinholens, Beeinflussens wiederum durch global – kapitalistische Strukturen beeinflusst? Und wie wird dieser Prozess, an dem viele Leute beteiligt sind, anhand lokaler Erfahrungen der KünstlerInnen / Wissenschafter dann dargestellt, ohne in diese ewige gut-böse – Leier zu verfallen (also rational und seriös)?

the new label

Haben einige Mitumba-Möglichkeiten gesehen, viele Schuhe, Gewand auch,
am Markt Stoffe aber auch fertig geschneiderte Sachen, viele Buden in denen die NäherInnen
zu 2. bis 5. sitzen und die voll mit Nähmaschinen sind. Nicht alle tragen Mitumba
(was so auf den ersten Blick erkennbar ist), aber viele.
Auch: Hemden, Hosen (Mitumba?), traditionelles afrikanisches bzw. muslimisches Gewand

Individuelle oder systemisch-hegemonielle Akteure (& between…) ?
Des Weitere: Unikate schaffen – Kunst und die Freiheit der Rezeption / Interpretation – „Kultur als Kunstwerk“ oder doch als Text? So what?? Kanonisierung von Wissen, Formen, Inhalten, Diskursen.

Am Markt: Was (außer Mitumba, Coca Cola, Kosmetika etc.) wird importiert nach Singida?
Welchen sozialen Status hat jemand, der/die in den verschiedenen Branchen tätig ist
(z.B. SchneiderIn, MitumbahändlerIn etc.) und wie wird Kapital erlangt und/oder konvertiert?
Frage auch nach dem relativen Status „traditoneller“ und „moderner“ (kisassa) Berufe / Einkommensquellen.
Der Markt ist jedenfalls ein Knotenpunkt, ein Ort an dem verschiedene Akteure, Interessen zusammenkommen.
Der Markt, die Mitumbastände als Institutionen. Durch die Markterfahrung drängt sich ein Vergleich mit den Einkaufstempeln in Europa / großen Städten in Tanzania auf, wo den Leuten so viel eingeredet wird, was sie angeblich alles brauchen, und die Frage des Luxus stellt sich. Luxus sind aber nicht nur materielle Güter, sondern auch Verhaltensweisen, Attitüden.

reverse engineering globalism


Ad. Mitumba-Versteigerungen: Es wurde uns nahegelegt, da sollte mensch schon ein bisschen aufpassen, und zwar mit Anwesenheit, v.a. filmen, fotografieren und auf keinen Fall mitsteigern.

street fashion

Kangas mit Computermotiven – Tradition & New Economy. Aber: Was bei der Ausstellung gezeigt wird sind Exemplarische Auswahlobjekte, ein Blick auf etwas alltägliches aus „Afrika“.
Es ist nicht so wie „poah ej“, afrikanische Kunst, Masken, Skulpturen, Fetischobjekte,
exotisiertes Zeugs zum Staunen. Es gibt diese Freiheit der Rezeption, vom visuellen zum textuellen, das ist die Kooperation von Kunst und Anthropologie. Wenn mensch will, kann mensch sich die Ausstellungstücke anschauen, aber auch die Folder lesen etc.

Im Gegensatz zu oben angesprochenen Exotik-Objekten kommt da etwas Neues daher,
wo nicht übliche Konnotationen der Konnekte Kunst und Afrika hinein zu interpretieren sind.
Es handelt sich um Objekte, die erst durch die Aktion zum Kunstgegenstand werden
(was vielleicht auch nicht anders ist als z.B bei afrikanischen Masken / Skulpturen),
aber die Bilder und/oder Assoziationen, die in europäischen Köpfen entstehen, sind (vielleicht) andere,
neue. Objekte (Maske – Mitumba) aus verschiedenen gesellschaftlichen
Bereichen werden also zur Kunst, werden zu Proponenten, Trägern unterschiedlicher Diskurse.

bruno interviewed

interviewed

Heute war Interview mit Bruno in seinem Schuhgeschäft. … Es geht ja auch darum, diesen Wandel zu erfragen, darzustellen, greifbar zu machen, diesmal aber nicht „klassisch ethnologisch“, also anhand einer langen Aufenthalt-Studie, …, sondern anhand eines der „Boten der Globalisierung“ (Mitumba). Also gehen wir eben dieser Kette, diesem Weg, dieser bestimmten „Stoßrichtung“ eines bestimmten (Kultur-) Gutes nach und schauen was ist dort, was ist hier, wie ist der Weg, was passiert was ist der Effekt. Lokales, dass global connected ist.

mitumba shoes


Wir sprachen über den Status von verschiedenen Kleidungsstilen in Europa genauso wie in Tanzania, stellten fest dass es vom Prinzip her ähnlich ist; Bruno meinte, dass in Tanzania die Leute wenn sie reich werden, sich all die Statussymbole kaufen (teures Gewand, Uhren, Autos…) während andere verhungern. Er findet ebenfalls, dass die Leute selber denken sollten und nicht all diesem Status-Zeug nachlaufen. Außerdem wollte Bruno (u.a.) wissen, wo wir unser Zeug kaufen, ob auf dem Flohmarkt und ob es so etwas bei uns überhaupt gäbe (was wir alles bejahten).

In Europa ist das neoliberale System sehr durchdringend, hat die Leute in vielen Lebensbereichen im Griff, vielleicht in Tanzania noch weniger, weil aus Konzernsicht weniger zu holen ist, es sich weniger auszahlt. Auch kann es ja sein (ohne sozialromantisch sein zu wollen), dass in Tanzania die neoliberale Durchdringung (v.a. am Land) (noch) nicht so weit fortgeschritten ist (aber Achtung: Handys, Cola, Pepsi etc. Nur weil wenig sichtbar ist bedeutet dass noch nichts; These in den Raum stellen?).

In diesem Kontext, v.a. in der ganzen Globalisierungsdiskussion, drängen sich immer wieder diffusionistisch anmutende Gedanken auf (wobei eben der Diffusionismus zumindest in der Anthropologie schon einige Jahrzehnte obsolet ist…). Was diffusioniert hier? Coca Cola? Marken? Diskurse? Gilt zu bedenken dass erstens auch aus der anderen Richtung Diskurse kommen, z.B. ist ein Diskurs über Afrika, der in Europa auch präsent ist, oft entweder in EZA-Papier – Form, Flüchtlinge aus Afrika, Armut, Elend, Krieg, bla gepackt, während jene(r) in die andere Richtung (Europa – Afrika) in der jeweiligen Gesellschaft unterschiedlich bewertet werden, was wiederum unterschiedliche Attitüden, Einstellungen, Meinungen des Individuums bzgl. des/der jeweils als „Andere“ wahrgenommenen erzeugt. Auch so wird durch die Sache selbst Andersheit erzeugt (…).

Eine weitere Frage ist natürlich, ob gleiche Diskurse existent sind und wenn ja ob sie wandern und wie. Irgendwie war ja dieses kritische Gespräch mit Bruno heute ein gleicher Diskurs, der aber nicht hegemoniell ist („der gesellschaftskritische Diskurs“). Es gibt schon einige Parallelen, nicht nur von Diskursen, Werten, auch von Gesten, Sinngehalten und Bedeutungskonstruktionen. Was wo zuerst war oder wen beeinflusste das frag ich mich und ob diese Frage zu stellen überhaupt einen epistemologischen Wert hat.

Zweitens (ad. Bedenken) ist es so, dass durch materielle Güter oft nicht nur die Dinge selbst, sondern eben Ideologien / Diskurse / Einstellungen „mitgeliefert“ werden, aber in ein differentes Setting, wobei dann wieder etwas neues entsteht …).

mitumba traders

Eine Frage, die sich im Mitumba-Zusammenhang auch stellt ist die,
ob sogar in diesem Geschäft die (afrikanischen / tanzanianischen) Endhändler die sind,
die am wenigsten verdienen und wie viele Zwischenhändler genau da sind,
Vergleich mit der Kette von einem fabrikneuen (z.B.) Addidas TShirt,
und dann Vergleich der beiden Gewinnspannen. Interessant ist auch welche Rohstoffe
von wo für eine solches fabrikneues TShirt geholt / importiert werden.

… mehr dazu in der Ausstellung…

Ausstellung FEZN im MQ Wien

feznmq

mitumBACK im Ausgangsort Österreich

mitumback ausgangsort österreich

mitumBACK Ausstellung München

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