car|go|graphy|künstlerische|forschung

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Die Vermittlungsstrategie artistic research besteht aus verschiedenen Ansätzen – dazu zählt in
erster Linie das unkonventionelle Herangehen an Aufgaben gegenwärtiger gesellschaftlicher
Probleme und die nicht vom kategorischen Imperativ einer Lehrmeinung indoktrinierte
betriebsblinde Strategie die, darüber hinaus, gelöst wird und dem Ansatz eines forschenden
Künstlers oder einer künstlerischen Forschung entspricht.

Transfer von sozialem, kulturellem und politischem Wissen durch Kunst

Hierbei ist in Folge vor allem die Funktion von Kunst als Wissensvermittlungsstrategie zu nennen,
die eine nicht didaktisch-frontale Auseinandersetzung mit Inhalten erlaubt und einen affektiven
Kanal der nonverbal und grenzüberschreitend verstanden werden kann, ermöglicht. Kunst kann
durch eine persönliche, durch die Künstler/in stattfindende Auseinandersetzung mit der Materie
eine neue Strategie für ein besseres Verständnis des sozialen und politischen Agierens, und eine auf
persönliche Assoziation mit dem Inhalt ausgerichtete Aufarbeitung darstellen. Dahinter steht auch der Bezug,

dass all die Aufarbeitung durch die klassischen Repräsentations-
weisen von Macht und Wissensvermittlung dieser arm und vordergründig bleiben, wenn nicht die
Bezogenheit der AkteurInnen, also Menschen und menschlicher Verbände, auf ihre durch eigene
subjektive Projektion vorgegebenen Verhältnisse in der Gesellschaft inkludiert wird.

Künstlerische Forschung und eine daraus erfolgende Wissensvermittlung durch Kunst ist demnach eine
Bereicherung der Möglichkeiten des Transfers, sozusagen ein Kanal zum besseren Verständnis der
Umstände – nach denen Wissen, und im speziellen geschichtliches Wissen, welches durch
Jahrhunderte vor allem dadurch geprägt war, eine “Machtgeschichte” zu überliefern, generiert wird.
Diese Kategorie des künstlerischen, die der klassisch – epischen Grenze – der flachen didaktisch
frontalen Vermittlung – durch die rein subjektive Darstellung der Künstler/in entgegensteht, ist eine
andere Form der Kommunikation, bzw. eben auch der Forschung und eine neue Bahn in der
Vermittlung, von Mensch durch Mensch.

Wenn wir die Konzeptionen des Verstehens in Beziehung zur Kunst bringen, welche auch Trägerin
des Geschichtsbildes ist, so ist das auch im eigentlichen sozialgeschichtlichen Sinne anwendbar,
kreiert also eine Vermittlung, ein Selektionsprinzip, auch für das, was “zwischen den Zeilen” lesbar
ist, also jenseits dessen liegt, was “der Erwähnung für wert befunden” ist. Dabei geht es um das aus
machtpolitischen Gründen Verdrängte, das geschichtlich wie heute stattfand und -findet, damit auch
die Sicht außerhalb des Ausschnitts dessen, was die bloße Vermittlung der Inhalte darstellt, möglich
wird.

Zu den Strukturen eines Verständnisses globaler Zusammenhänge gehört auch immer die
Notwendigkeit der Hinterfragung dessen, was subjektives Selbstverständnis bedeutet, denn
Gesellschaft ist sowohl im positiven als auch im negativen Sinne verortet – womit sie von lokalen
Gegebenheiten und sozialem Paket beeinflusst ist, aber gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit
bietet, diskursive Kritik zu üben, um Traditionen zu hinterfragen, und Umstände zu beleuchten.
Hierbei ist die Zielsetzung das Aufzeigen von koevolutionären Vermittlungsansätzen und
praktischer Umsetzung, die sich an die Bereiche Kunst, Medien, Forschung, Politik und Bildung
richtet. Damit nicht abgeschlossene Prozesse und Aspekte im Vordergrund stehen, sondern aktiv
neue Wege der Wissensvermittlung gesucht, gefunden und beschritten werden können.

Das Resultat dieses sowohl künstlerischen als auch er-forschenden Prozesses, der mit dem Projekt
eingeläutet wird, ist eine zweifache Sichtbarmachung – erstens wird das Feld selbst beleuchtet,
zweitens erfolgt eine audiovisuelle künstlerisch-technische Umsetzung als Webseite. Diese verortet
sowohl die Akteurinnen als auch die gefundenen Kärtchen auf einer Weltkarte und präsentiert
Geschichte(n) dazu, die einzelnen individuellen Sichtweisen auf dieses Thema, um das Ganze an
interessierte AkteurInnen aus Medien, Politik und Zivilgesellschaft zu kommunizieren. Dadurch
wird die trans- bzw. internationale Dimension in den Vordergrund gerückt, die vielfältigen globalen
Verflechtungen greifbar gemacht. Dabei wollen wir die „traditionellen“ Pfade medialer Aufbereitung
von Inhalten verlassen, um eine interaktiv navigierbare Verschränkung audiovisueller Elemente mit
Text vorzunehmen.